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Wie soll Kinderfotografie sein?

Aus aktuellem Anlass und weil ich es nicht müde werde, darüber zu sprechen 😉
Jedesmal wenn ich so einen „ Hilferuf“ einer Kollegin lese,
wenn ich lese : „Wie bringe ich die Kinder dazu, zu machen was ich will“, oder: „das Kind hat nicht gemacht was ich wollte
und jetzt sind die Bilder nicht gut“, jedesmal wenn die Leute in Begeisterungsstürme ausbrechen, weil sie Bilder sehen von
„hingesetzten Kindern“ die in die Kamera gucken vor tollen Sets und deren Gesichter, deren Körperhaltung , deren Mimik keinerlei Rückschlüsse zulässt auf das Wesen der Kinder,
in jedem dieser Momente frage ich mich : HEY! Ist das unsere Aufgabe als Kinderfotograf? Ist das unsere Zielsetzung?
Ein Kind abzubilden ohne Hinweis darauf, WIE und WER das Kind ist?
Ist das wirklich unser Job? Kinder mit von uns vorgegebener Mimik zu fotografieren? Und sie damit eigentlich
komplett austauschbar zu machen?
Für mich kann ich das klar beantworten mit: NEIN. Also meine Arbeit, meinen Job, den sehe ich anders.
Ich sehe meine Aufgabe darin, den Menschen zu zeigen. Und nicht die Wunschvorstellung, die ein anderer von dessen Gesichtsausdruck hat.
Wenn mir ein Mensch so lieb, so wertvoll ist, dass ich Fotos von ihm haben möchte, dann sollte das Foto doch diesen Menschen zeigen.
Die Zeit bleibt doch nicht stehen.
Was heute mein Kind ist, ist in einigen Jahren ein Erwachsener. Und dann möchte man Erinnerungen haben. Zeitzeugen.
Und wie soll ein aufgesetztes, ein unechtes Bild eine Erinnerung hervorrufen? Wie soll ich in einem aufgesetzten Bild das Kind wiedererkennen,
das es einmal war?
Wie soll das funktionieren?

Wenn ich mir frühere Bilder meiner Kinder anschaue ( ja, auch ich habe die Kindergarten-und Schulbilder gekauft, das ist einfach eine psychologische Sache),
dann sehe ich die Gesichter meiner Kinder, aber ich sehe nicht, was meine Kinder zu dieser Zeit ausgemacht hat.
Nicht ihre typischen Gesichtsausdrücke, nicht die Merkmale, die man im Alltag tausendmal gesehen hat und doch Gefahr läuft, sie in eine hintere Ecke des Unterbewusstseins zu verdrängen.
Wenn die Kinder groß sind, werden sie sich in Verhalten und Ausdruck der Gesellschaft anpassen, sie werden lernen, sich und ihre Emotionen zu kontrollieren,
eine Maske tragen um im Leben bestehen zu können.
Sie werden lernen, nicht immer zu lachen, wann Ihnen danach ist, werden lernen Verzweiflung, Frust, aber auch Spaß zu verstecken, wenn es gerade nicht „in die Situation“ passt.
Einen Großteil des Tages werden sie Masken tragen, die sie kompatibel machen mit der Arbeitswelt, dem sozialen Umfeld.
Warum muss man ihnen diese Masken jetzt schon anziehen? Für Fotos?
Wenn Fotos Erinnerungen sein wollen, dann ist das falsch. Einfach völlig falsch.
Es macht für mich keinen Sinn.
Für mich besteht der Sinn darin, die typischen Merkmale eines Kindes zu erfassen,
sie unvergessen zu machen.

Authentisch – das ist, was Kinderfotografie, Familienfotografie für mich ausmacht.
Die Menschen, ihre Beziehung zueinander festzuhalten. Das sind Erinnerungen.
Und jetzt höre ich auch schon die Stimmen der Gegner.
Die, die sagen : „So ein Quatsch, solche Bilder können die Eltern auch selber machen“.
Blödsinn!
Natürlich können Eltern Bilder selber machen, aber nein, jemand der keine Ahnung vom Fotografieren hat,
kann nicht solche Bilder mit dem Punkt aufs Wesentliche und in der Qualität selber machen.
Jeder, der so fotografiert, weiss, dass das eine Kunst ist, die gelernt sein muss.
Die ein gutes Gespür für Menschen und Feingefühl verlangt. Die voraussetzt, dass man als Fotograf eine Natürlichkeit schafft, die durch
die eigene Anwesenheit nicht gestört wird.
Und nein, es ist nicht einfacher, als ein Kind hinzusetzen ins richtige Licht und zu sagen: „Du musst jetzt lächeln“
Wenn ich keine Lust hätte, wenn ich keine Begeisterung in mir hätte, ja, dann würde ich das so machen. Dann würde ich mir das
Kind in nettes Licht setzen und sagen : „ jetzt lach mich mal an“
Nun, ich habe aber Begeisterung. Ich habe einen Antrieb, ich habe einen Anspruch an meine Arbeit und mich selber,
den ich erfüllen möchte.

Und deswegen gehe ich den „unbequemen Weg“
Ich nehme den Menschen wie er ist und bringe ihn nicht dazu, sich zu verstellen. Ich lebe damit,
dass die Kinder nicht im schönen Licht stehen bleiben, sondern rumlaufen, echt und umgestellt bleiben und agieren.
Ich lebe damit, dass sie aus der Sonne in den Schatten rennen, ohne mich vorher zu fragen und ich meine Technik entsprechend im Griff haben muss.
Und auch damit, dass sie sich in ihrem Zuhause dort hinsetzen, wo es ihnen gerade gefällt und nicht dort, wo ich das perfekte Seitenlicht habe 😉
Ich nehme in Kauf, dass ich mich bei jedem Termin komplett auf den anderen einstellen muss. Mit Feingefühl. Mit Interesse.
Mein Job ist, daraus tolle Bilder zu machen.
Ich lebe damit, vorher nicht zu wissen, wie genau meine Bilder aussehen werden.
Was ich aber genau weiss ist, dass sie echt sein werden. Dass die Familien sich und ihre Kinder wiedererkennen. Dass ihnen manche Sachen gar durch die Bilder erst bewusst werden.
Das ist mein Weg. Wer sagt, das wäre der einfache Weg ( Lieblingsbemerkung zu dem Thema: „das sind ja nur Schnappschüsse, die man da macht“), der ist ihn noch nicht gegangen.

Und ganz ehrlich, ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass viel mehr diesen Weg gehen werden. Weil ich glaube, dass der Wert dieser Bilder, solcher Bilder in einigen Jahren für die
Familien immens sein wird. Auch wenn sie das heute noch nicht wissen.
Und mir ist auch bewusst, das nicht jeder meine Ansicht teilt, meine Auffassung von guten Bildern teilt und es natürlich genug gibt, die diese Art von Fotos haben wollen, die ich nicht anbiete und liefere 🙂
Was ich mir aber wünsche, wirklich wünsche , ist dass sich der Blick der Eltern da ein bisschen wandelt. Und damit auch der Wunsch, der Anspruch der Eltern. Ich glaube, dass viele die inszenierten Bilder gar nicht hinterfragen, weil sie nicht unbedingt wissen, dass es auch anders geht. Dass man auch authentische und trotzdem hochwertige Bilder haben kann, weit entfernt von Schnapschüssen oder Bildern,die jeder selber machen kann. Nicht alle natürlich, es wird auch genug geben, die beides kennen und trotzdem die inszenierten Bilder möchten 😉
Aber ich möchte für mich einfach erreichen, dass die Leute über das Thema nachdenken und sich damit beschäftigen. Welche Bilder sie möchten und warum. Wie sie sich dann entscheiden, liegt nicht in meiner Hand und das ist auch richtig so. Aber wenn ich es schaffe, dass darüber nachgedacht wird, habe ich schon viel erreicht für mich.
Ich bin gespannt auf Eure Sichtweise

 

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Stephanie Richartz | ZEITLOS | • Portraits • Familienportraits • Reportagen